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FOCUS: Werner Mauss - das war für die Öffentlichen
bislang der geheimnisumwitterte Agent, der „Mann
ohne Gesicht". Nach 30 jähriger Tarnung geben Sie
jetzt Ihr erstes Interview. Wie fühlen Sie sich
dabei? Werner Mauss: Meine Gefühle gehen eigentlich nur
meine Frau etwas an.
FOCUS: Von der Sie neun Monate getrennt waren.
Wie haben Sie beide die Haft in Kolumbien
verkraftet?
Ida Mauss: Die ersten Tage in einem
Offizierszimmer im Polizeigewahrsam waren die
schlimmsten. Wir haben andere Inhaftierte unter
Folter schreien und wimmern hören.
FOCUS: Wurden Sie auch gefoltert?
Ida Mauss: Körperlich nicht, eher seelisch.
Ausgerechnet zu Weihnachten, am Heiligen Abend,
drohte man uns 60 Jahre Haft an - wegen angeblicher
Komplizenschaft mit der Guerilla.
FOCUS: Was blieb von den ganzen Vorwürfen?
Werner Mauss: Das höchste kolumbianische Gericht
und der Generalstaatsanwalt haben in verschiedenen
Urteilen festgestellt, daß unsere Inhaftierung
illegal war und daß wir zu keiner Zeit gegen
kolumbianische Gesetze verstoßen haben. Wir waren
letztlich in einer vom Gericht anerkannten
humanitären Mission unterwegs.
FOCUS: Was war die größte Qual?
Ida Mauss: Unschuldig in diesem Dreckloch
eingesperrt zu sein. Und zu wissen, daß zu Hause
drei Kinder auf uns warten.
FOCUS: Mauss sitzt in der Falle, so lauteten die
Überschriften.
Werner Mauss: Falsche Schlagzeilen haben die Haft
verlängert und verschärft. Ich mußte um mein Leben
bangen.
FOCUS: Vor wem hatten Sie Angst?
Mauss: Vor gedungenen Mördern paramilitärischer
Gruppen, die gegen eine Aussöhnung der
Konfliktparteien sind. Jede Nacht mußte ich damit
rechnen, daß diese Typen mich in meiner Zelle
aufhängen und das dann den Medien als meinen
Selbstmord aus Verzweiflung verkaufen.
FOCUS: Trotz dieser Erfahrungen engagieren Sie
sich weiter im Friedensprozeß. Warum?
Mauss: Ich bin gewohnt, eine Arbeit zu Ende zu
führen. Da können mich neun Monate Haft nicht
aufhalten.
FOCUS: Will der verbrannte Agent jetzt den
Friedensapostel spielen?
Mauss: Ich muß mir doch kein neues Image basteln.
Meine Frau und ich haben das Know-how, diesen
notwendigen Friedensprozeß zu unterstützen.
FOCUS: Warum gerade Sie?
Mauss: Weil wir dieses Land und seine Menschen
lieben. Offenbar ist niemand außer uns bereit oder
in der Lage, die Krisengebiete mit ihren mordenden
Militäreinheiten zu durchqueren und mit der Guerilla
in den Zentralcamps zu verhandeln.
FOCUS: Ende Juni haben Sie sechs Führer der
Guerillagruppe ELN heimlich zum Mainzer Bischof Karl
Lehmann gebracht, zu einem Treffen mit dem
Nationalen Friedensrat Kolumbiens. Wie haben Sie das
absichert?
Mauss: Die Einzelheiten der Operation fallen
unter das Berufsgeheimnis.
FOCUS: Nach den ELN-Leuten wird mit hohen
Kopfgeldern gefahndet. Wie schleust man die Truppe
sicher von Südamerika nach Mainz? |
Mauss: Ich sag' mal mit mehreren Flugzeugen. Es ging
rund um die Welt. Aber das ist doch nebensächlich.
Wichtig ist allein, daß die Konfliktparteien sich
nach 40 Jahren Bürgerkrieg mit Tausenden von Toten
endlich unter dem Dach der Deutschen
Bischofskonferenz treffen. FOCUS: Das Bonner
Kanzleramt, das in der Vergangenheit wegen der
Kontakte zu Ihnen massiv unter Beschuß stand, will
von Ihrer neuen Operation wohl nichts wissen.
Mauss: Wie kommen Sie darauf?
FOCUS: Regierungssprecher Otto Hauser betonte
vergangene Woche ausdrücklich, Sie seien ohne Mandat
der Regierung.
Mauss: Ich habe das Mandat der Konfliktparteien.
Alle Entscheidungen hat die katholische Kirche mit
der Bonner Regierung abgestimmt.
FOCUS: Warum geht die Regierung dennoch so
demonstrativ auf Distanz?
Mauss: Weil sie diesen sensiblen Prozeß nicht
durch Wahlkampf-Geplänkel gefährden möchte.
FOCUS: Wer sind denn diese Leisetreter?
Mauss: Die Haltung der Bundesregierung kann sich
jeden Tag ändern. Immerhin hat Kolumbiens Präsident
Samper Bonn um Hilfe im Friedensprozeß gebeten.
FOCUS: Agent Mauss wird dennoch eine umstrittene
Figur bleiben.
Mauss: Keine der bösen Intrigen in den
vergangenen 30 Jahren konnte mich aus dem Sattel
werfen. Ganz im Gegenteil: Alle Intrigen haben meine
Frau und mich stärker gemacht.
FOCUS: Haben Sie Rachegefühle? Zum Beispiel
gegenüber dieser britischen Sicherheitsfirma, die
Sie angeblich bei der Polizei denunzierte?
Mauss: Ich hege gegen niemanden Rachegelüste. Ich
bin lediglich erstaunt, mit welcher Leichtigkeit es
einer Privatfirma gelungen ist. einen Großteil der
Medien zu manipulieren.
FOCUS: Warum muß Mauss Prügel einstecken?
Mauss: Weil einige Medien ein Feindbild brauchen,
mit dem sie ihre Auflage steigern. Die brauchen
einen, den sie hassen und bekämpfen können.
Heimlich zum Bischof
ELN-Militärchef Pablo Beltran über das Mainzer
Treffen
FOCUS: Kolumbiens Militär jagt Sie mit hohen
Kopfgeldern. Warum kamen Sie nach Mainz?
Beltran: Weil wir nur hier gesichert über ein
Friedensabkommen sprechen können.
Focus: Was hat Bischof Lehmann bereits für Sie
erreicht?
Beltran: Er hat mit dem Papst über unser Anliegen
gesprochen.
FOCUS: Ihre Hoffnung?
Beltran: Daß es am 12. Juli beim nächsten Treffen
mit dem Nationalen Friedensrat Kolumbiens zu
Ergebnissen kommt.
FOCUS: Was bieten Sie an?
Beltran: Einen Waffenstillstand. Dafür erwarten
wir, daß der Terror der Todesschwadrone untersucht
wird. |