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Focus: Kurbeln Libyens Lösegeldzahlungen die
Entführungsindustrie an? Mauss: Die sehr
lauten Vorgänge auf den Philippinen werden eine
negative Signalwirkung erzielen. Aber das Leben der
Geiseln muss Priorität vor allen anderen
Überlegungen haben. Die Philippinen befinden sich
seit Jahrzehnten in einem großen inneren sozialen
Konflikt, verursacht unter anderem durch die
wirtschaftliche Benachteiligung der muslimischen
Minderheit in dem katholisch geführten Land. Die von
der Geiselnahme auf Jolo betroffenen Länder waren
gefordert, das Problem still und in engster
Kooperation nur mit den Philippinen und deren
Nachbarstaaten zu lösen.
Focus: Die Situation in Jolo schein
verfahren zu sein.
Mauss: Der Fall Jolo ist nur die Spitze
eines Eisbergs und könnte Teile Südostasiens in eine
ähnliche Lage bringen. Der Ruf nach militärischem
Eingreifen erfolgt in diesem Fall viel zu schnell.
Man muss die asiatische Mentalität respektieren und
das vernachlässigte Problem von Jolo und Mindanao
durch eine enge Zusammenarbeit innerhalb der
asiatischen Staatenfamilie aufarbeiten – eventuell
mit politischer und finanzieller Unterstützung
Europas und der USA.
Focus: In Kolumbien sind Entführungen
bereits zu einem wichtigen Wirtschaftszweig
geworden. Weshalb? |
Mauss: Kolumbien zählt wegen seiner
Bodenschätze zu den reichsten Ländern der Welt.
Trotzdem lebt der größte Teil der Bevölkerung unter
dem Existenzminimum. Die Macht der Kartelle,
Drogenhandel, Korruption und Misswirtschaft führen
zu Anarchie. In weiten Teilen des Landes ist der
Staat nicht existent; zirka 60 Prozent des
Territoriums werden von den Guerillabewegungen
kontrolliert, die gegen den Staat rebellieren.
Entführungen in Kolumbien sind in erster Linie die
Folge der sozialen Probleme. Focus: In den
Medien wurden 1996 Ihre eigenen Vermittlungserfolge
bei Geiselbefreiungen in Frage gestellt.
Mauss: Wie amtlich festgestellt, wurden
meine Frau und ich durch Intrigen einer
Sicherheitsfirma 1996 in Medellin festgenommen. Die
Presse hat später auch berichtet, dass wir von allen
Vorwürfen rechtskräftig freigesprochen worden sind.
In der Entscheidung wird festgestellt, dass „das
Ehepaar Mauss zu keinem Zeitpunkt gegen
kolumbianisches Recht verstoßen hat, die
Inhaftierung rechtswidrig war und kein Lösegeld
bezahlt wurde“. Die von meiner Frau und mir 1998 zu
Stande gebrachten Friedensgespräche für Kolumbien
sind der richtige Weg. |